Weltverbesserungsmaschine (Ausstellung)

Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, u.a. Häuser, 2013

Seit dem 17. Jahrhundert gibt es in verschiedenen europäischen Metropolen (damals v.a. in Paris und London) den geheimen Plan eine Weltverbesserungsmaschine zu errichten. Diese basiert auf der Annahme, dass die richtige Anordnung von bestimmten Kunstwerken und Artefakten in einer bestimmten architektonischen Ideal- und Superform eine mächtige Kraft freisetzen würde. Diese Idee beflügelte aufklärerische Weltverbesserungsansprüche genauso wie absolutistische Machtfantasien. Auch der preußische Staat wollte im europäischen Wettbewerb nicht zurückstehen und gründete deshalb die Akademie der Künste (1696) und die Akademie der Wissenschaften (1700).

Mit der Errichtung des Königlichen Museums im Jahre 1830 (Heute: Altes Museum) brachen gute Zeiten für die Realisierung der Weltverbesserungsmaschine an. Während die Akademien sich verstärkt der wissenschaftlichen und künstlerischen Forschung an der abstrakten Maschine widmeten, sammelten die Museen die nach damaligem Verständnis für den Bau der Maschine infrage kommenden Kunstwerke und Artefakte. Aus aller Welt und allen Zeiten wurden nach und nach künstlerische und kulturhistorische Artefakte nach Berlin gebracht, um aus ihnen die Berliner Weltverbesserungsmaschine zusammenzusetzen. Immer mehr Bauteile wurden gesammelt, für die wiederum neue Museen errichtet wurden.

Doch die Weltverbesserungsmaschine wurde niemals realisiert. Seit dem 19. Jahrhundert konzentrierten sich die Wissenschaftler auf pragmatische Weltverbesserung. Statt an einer abstrakten Maschine zu forschen, setzte man auf den Bau großer technischer Systeme zur Verbesserung der Lebenswelt: Kanalisation, Fabriken, Flugzeuge …

Aber Industrialisierung und Massenkonsum führten nicht zu der erhofften „besseren Welt“. Noch immer gibt es Hunger, Krieg und soziale Ausgrenzung. Vielleicht kann uns die Berliner Weltverbesserungsmaschine heute neue Antworten geben.

 
Gesamtkonzept: Friedrich von Borries
Projektleitung: Jens-Uwe Fischer
Ausstellungsarchitektur und Gestaltung: Moritz Ahlert
Team: Claire Ehrhardt, Clemens Finkelstein, Albert Herrmann, Jaike Herrmann, Christian Hiller, Amelie Hinrichsen, Benjamin Kasten, Anne Levy, Babette Pohle, Nuriye Tohermes, Wilma Renfordt

Zeitraum: 23. August - 20. Oktober 2013, Hamburger Bahnhof, Berlin

 

Begleitend zur Ausstellung erscheinen im Berliner Merve Verlag zwei Bücher. Das erste erzählt die Geschichte der Berliner Weltverbesserungsmaschine von ihren Anfängen im Jahre 1666 bis heute, dass zweite stellt den aktuellen Rekonstruktionsversuch und die Bestandteile der Maschine ausführlicher vor.

Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt von: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Museum für Naturkunde Berlin, Deutsches Historisches Museum, Junge Akademie und Hochschule für bildende Künste Hamburg. Gefördert durch: Schering Stiftung.

 

Mehr Informationen: www.berliner-weltverbesserungsmaschine.de