urban_diary

100tägiges, SMS-Tagebuch im öffentlichen Raum, 2001-2002

Vom 15.11.2001 bis zum 23.02.2002, also genau 100 Tage lang, konnte jeder Handybenutzer Tagebucheinträge an das "urban-diary" senden. Alle eingehenden Nachrichten wurden am U-Bahnhof Alexanderplatz/U2 in Berlin-Mitte auf zwei Projektionsflächen über den Gleisen projiziert.

So entstand eine Art "Tagebuch" von Berlin, das sich aus den von unterschiedlichen Personen gesendeten Beiträgen zusammensetzt, nach der zufälligen Reihenfolge ihres Eintreffens geordnet. Über die Personen, die Tagebucheinträge einsandten, lässt sich nur wenig sagen, da die Teilnahme anonym war. Aus den Beiträgen lässt sich aber erkennen, dass eine große soziale Bandbreite vorausgesetzt werden kann: Es wechseln sich Tagebucheinträge aus dem Schülerkontext ab mit Beiträgen über Politik, Liebeserklärungen unterschiedlichster literarischer Qualität mit Zitaten von Hölderlin und Goethe. Auch lassen sich verschiedene Nutzer erkennen, die regelmäßig Beiträge sendeten, die entweder per Tag gekennzeichnet waren oder in thematischem Zusammenhang zueinander stehen (der "Jesus-Freak", der beinahe täglich Bibelzitate schickte, oder ein Nutzer, der einen mehrteiligen SMS-Krimi verfasste).
Über den Zeitraum der Installation sind ca. 10 000 Tagebuchbeiträge beim "urban_diary" eingegangen.

 

Entwurf: Friedrich von Borries, Gesa Glück, Tobias Neumann
in Kooperation mit der NGBK, Berlin

 

Beispieltexte

2001-12-03 01:08:43

Die persönliche Geschichte ist
das grösste Hindernis auf dem
Weg zur Befreiung. Freiheit ist
Freisein von
Zwangsinterpretation, von
sozialer Wahrnehmung.

2001-12-15 15:42:06
Wenn Du diese Nachricht liest,
hat sich wieder alles geändert.
Das wahre Leben.

2001-12-15 16:42:45
MIT DEM RÜCKEN ZUR WAND
HAT MAN ALLES VOR SICH

2001-12-12 00:07:25
Die Tonkunst schöpft ihr
Wasser aus dem Brunnen der
Natur; und nicht aus
den Pfützen der
Arithmetik.
MATTHESON

2001-12-12 11:38:28
WIEVIELE GEDENKMINUTEN
HÄTTEN DURCH WENIGE
DENKMINUTEN VERHINDERT
WERDEN KÖNNEN?DENKT
MAL DRÜBER NACH!GRÜßE
AUS NÜRTINGEN.

2001-12-12 21:48:57
Wie lieblich sind auf den
Bergen die Füße der Boten, die
da Frieden verkündigen, Gutes
predigen, Heil verkündigen, die
da sagen zu Zion: Dein GOTT
ist König!

2002-02-08 12:05:56
Ich bin NICHT offen für neue
Wege..., nur für bessere!!!

2002-02-08 19:19:07
DENKE DARAN,WIE DU DAS
LETZTE MAL GELACHT HAST -
UND WORÜBER! WENN DU
JETZT NICHT LÄCHELN
MUßT,...

2002-02-08 20:05:31
Der Sinn des Lebens Ist das
Leben selbst. Wofür sonst
leben wir? Nur, wir checken
das nicht...

2002-02-20 16:41:46
marktsegmentierung:
einteilung des gesamtmarktes
in intern homogene, extern
heterogene, instrumentell
relevante zielgruppen nach
kaufrelevanten merkmalen.

2002-02-20 16:58:16
Wer seine Freiheit aufgibt um
Sicherheit zu gewinnen, wird
am Ende beides verlieren. B.F
tobi

2002-02-20 15:04:55
macht euch frei von euren
(selbst-) erfahrungen. seid
nicht, wie ihr seid. seid nur.

2002-02-20 10:02:16
Ganz am Anfang habe ich hier
über das Vergessen
geschrieben. Ich kann mich
noch gut daran erinnern...!