Techniken des Virtuellen

Symposium, HFBK, 2015

Immer tiefer durchdringen die »Techniken des Virtuellen« unsere politische Realität. Diesem Phänomen nähert sich das Symposium mit künstlerischen und theoretischen Beiträgen aus drei verschiedenen Perspektiven. »Show you are not Afraid«, der berühmte Aufruf des New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani nach 9/11, verweist auf Angst als ein unsere Gegenwart durchdringendes Herrschaftsinstrument, das eine neue Form von Kontrollgesellschaft hervorbringt. Sie ist durch militärische Intervention, spekulativen Handel, digitale Selbstrepräsentation und freiwillige Selbstüberwachung gekennzeichnet. Die nach der Doktrin »Shock and Awe« geführten US-amerikanischen Kriege nach 9/11 machten die Drohne zur zentralen Waffe. Hieraus entstand eine neue Verwebung von physischem und virtuellem Raum. Unsichtbar und ubiquitär, entörtlicht, quasi göttlich: das perfekte Panoptikum – und gleichzeitig unantastbares Strafgericht. »We may not have an economy on monday« drohte der amerikanische Notenbankpräsident nach der Lehman Brothers-Pleite 2008. Dieser Zusammenbruch machte deutlich, dass sich der blasenartige Finanzmarkt virtualisiert hat, und provozierte alternative Perspektiven auf die politische und ästhetische Konstitution von Raum, Zeit und Ökonomie. Dank dieser Entwicklung dienen das Virtuelle und seine Techniken nicht nur als Instrumente der Kontrolle, sondern können auch als Potential des Künstlerischen gedacht werden.

 
Programm
Donnerstag, 17. - 18. Juni 2015, HFBK Hamburg, Lechenfeld 2, Hörsaal (Raum 229)

Mittwoch, 17. Juni 2015        
Show you are not Afraid
        
FRIEDRICH VON BORRIES, Designtheorie, Hochschule für bildende Künste Hamburg (13.30 Uhr)
EYAL WEIZMAN, Centre for Research Architecture, Goldsmiths College, London (14.00 Uhr)
CUCULA, Refugees Company for Design and Craft (15.00 Uhr)

Pause (16.00 Uhr)

GRANDHOTEL COSMOPOLIS, Augsburg (16.30 Uhr)
HEINZ BUDE, Makrosoziologie, Universität Kassel (17.30 Uhr)
        
Donnerstag, 18. Juni 2015        
Shock and Awe

        
NIK NOWAK, Künstler, Berlin (10.00 Uhr)
MARKO PELJHAN, Media Arts and Technology Graduate Program, University of California, Santa Barbara(11.00 Uhr)

Mittagspause (12.00 Uhr)

MARTIN KRÜGER, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Universität Hamburg (13.00 Uhr)
CONSTANZE KURZ, Chaos Computer Club (14.00 Uhr)

Pause (15.00 Uhr)
        
We May Not Have an Economy on Monday
       
GEORG SEESSLEN, Autor, Kaufbeuren (15.30 Uhr)
ANNA FEIGENBAUM, The Media School, Bournemouth University (16.30 Uhr)
ROBERT JELINEK, Künstler, Wien (17.30 Uhr)

Resümee (18.30 Uhr)