Sozialistische Cowboys (Publikation)

Der Wilde Westen Ostdeutschlands, 2008

Friedrich von Borries, Jens-Uwe Fischer
Suhrkamp Verlag, Frankfurt/Main, 2008
edition suhrkamp 2528
201 Seiten, Broschiert, 17,6 x 11 cm
ISBN: 978-3-518-12528-1

 

Um einen Raum zu imaginieren, in den bis heute Sehnsucht nach Freiheit projiziert wird, mußte Karl May Radebeul nicht verlassen. Seine Erben konnten es nicht, also holten sie den Wilden Westen in die DDR. 1956 wurde der »Indianistikklub Old Manitou« gegründet, dem zahllose weitere folgten. Die Autoren erzählen unbekannte Alltagsgeschichten aus dem »Reservat DDR«: über Defa-Western und Dean Reed, sozialistische Cowboys, die sich als »Landarbeiterproletariat« inszenierten, den Häuptling von Hoyerswerda und die Stasiakte »Tomahawk«. Die historische Reportage begleitet die Protagonisten bis in eine Gegenwart, in der die amerikanische Geschichte eine ganz andere Bedeutung bekommt: »reenactment«. In Inszenierungen des Amerikanischen Bürgerkriegs übernehmen sie am liebsten die Rolle der Konföderierten und identifizieren sich mit dem Stolz der Verlierer.

 

Mehr Informationen: www.sozialistische-cowboys.de

Sachbuch des Monats September 2008 – Sozialistische Cowboys auf Platz 7 der "Sachbücher des Monats September 2008"

 

»Das "Reservat DDR" bot größere Nischen als oft angenommen. Zugleich spiegelte die Indianistik-Szene die Gesellschaft wider - mit ihren Zwängen, Wünschen, Illusionen und Charakteren. Diese Zusammenhänge auf gerade mal 200 Seiten darzulegen, ist eine beachtliche Leistung. [...] Auch im Westen gab es Hobby-Indianer. Aber im Osten - so zeigt das Buch überzeugend - konnte es keine systemunabhängigen Hobbyisten geben. [...] Die Szene der Indianistik, so zeigt das Buch deutlich, funktionierte wie die gesamte DDR: als Eine-Hand-wäscht-die-andere-System, in dem vieles möglich war - sogar Kontakte zu "echten" Indianern in Kanada oder den USA -, wenn man die politisch-ideologischen Grenzen der DDR nicht antastete.« (Thorsten Harmsen, Berliner Zeitung)

»Friedrich von Borries und Jens-Uwe Fischer, ein Architekt und ein Historiker, einer aus dem Westen, einer aus dem Osten, Jahrgang '74 und '77 ... zogen aus, um sich die Geschichte derer erzählen zu lassen, die den Feierabend im Indianerzelt verbringen. Und weil das, was da zu lesen ist, zum Teil so unglaublich klingt, ist es vielleicht notwendig, darauf hinzuweisen, dass es ein vollkommen ernsthaftes, wissenschaftlich relevantes Buch und nicht umsonst in der edition suhrkamp erschienen ist: Sozialistische Cowboys ist die verblüffendste, aufschlussreichste und vermutlich treffendste Studie über Ostdeutschland, die man im Moment bekommen kann, weil es am Ende die Fluchtpunkte im Historischen sind, an denen eine unscharfe Gegenwart greifbar wird.« (Peter Richter, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

»Friedrich von Borries und Jens-Uwe Fischer gehen in einer Serie wunderbar zu lesender Reportagen der "Indianistenszene" nach, zeigen, wie die SED und Stasi darauf reagierten, und zeichnen diese Bewegung als eine der Nischen, die auch im totalitären Wohlfahrtsstaat noch bestanden.« (Sven Felix Kellerhoff, Die Welt)

»Rothäute im Sozialismus. Der Wilde Westen der DDR: Die DDR galt nicht gerade als Land der Vielfalt. Es gab sie aber doch, die bunten Flecken, Künstlerkommunen und eben jene Rothäute des Sozialismus, von denen nun Friedrich von Borries und Jens-Uwe Fischer in ihrem Buch Sozialistische Cowboys berichten.« (Peter Wensierski, Der Spiegel)

»... ein Geflecht von Leidenschaften im realsozialistischen Alltag wird so plastisch, dass man zwar keine Sehnsucht nach der DDR bekommt, aber glaubhafte Neuigkeiten über ihre Bewohner erfährt.« (Andreas Montag, Mitteldeutsche Zeitung)

»Wir hatten eine ähnliche Ausgangslage wie die Indianer – die DDR war ja auch ein Reservat.« (Ein Indianerhäuptling aus Sachsen)

»Wir wollten Kampfgenossen der Indianer im anti-imperialistischen Widerstand sein.« (
Ein Soli-Indianer aus dem Vogtland)

»Wir waren die inneren Rebellen.« (
Ein Cowboy aus Thüringen)